Haste Gänsehaut, haste Gänsehaut

Zu Besuch bei einem Chor ohne Namen

Was eigentlich ein kurzer Post über den Besuch einer Chroprobe werden sollte, hat sich spontan zu einer kleinen Liebeserklärung entwickelt. Wegen Gänsehaut.
Auf der Hinfahrt zum Proberaum des DCON – „Der Chor ohne Namen“ – unterhalten wir uns über unsere persönlichen Chorerfahrungen. Wir, das sind übrigens Jule und Steffi, das PR-Team des COSOA 2016. Kommunikation können wir gut, singen eher weniger.

Was wir also mit Chören verbinden, fragen wir uns in der U-Bahn Richtung Paradestraße. Jules Erinnerungen gehen in die zweite Klasse zurück, in der sie, um am Schulchor teilnehmen zu können, immer eine Stunde früher aufstehen musste. Das hat sie so lange durchgehalten, bis ihr Klassenkamerad Christian ihr eines Tages kurz vorm Chorbeginn eine mit dem Stuhl übergezogen hat. Seitdem war sie Chören gegenüber voreingenommen. Bis gestern.
Im ersten Moment, als wir den Proberaum aka Thomas’ Esszimmer betreten, ist die Welt in Ordnung. Seit 6 Jahren stellt er sein Zuhause jeden Montag für die Probe des DCON zur Verfügung. Sein Partner und seine Kids finden das schön – die Chorprobe gehört fest zum Montag wie das Abendbrot. In dem großzügigen Raum liegt Kinderspielzeug verteilt, es hängen Kunst und Designerlampen an Wand und Decke. Auf dem Schimmel Klavier steht eine Wagenfeld-Lampe. Gemütlich ist es hier. Ungekünstelt, offen und vertraut.

Das hat hier nichts mit dem verstaubten Bild von „dem Chor“ zu tun.

Als die Mitglieder anfangen zu singen, müssen wir unweigerlich grinsen: „I’ll Never Break Your Heart“ von den Backstreet Boys wird angestimmt. Die Helden unserer Kindheit. Hört sich aber a cappella ganz anders an, viel weniger kitschig. Uns wird schnell klar: Das hat hier nichts mit dem verstaubten Bild von „dem Chor“ zu tun, das viele – vielleicht aufgrund ähnlich traumatischer Erlebnisse wie Jule es erleiden musste – im Kopf haben. Die Sänger des DCON kommen teilweise seit zehn Jahren jede Woche zusammen. Nicht aus Pflichtbewusstsein, sondern um den Akku aufzuladen. „Einmal in der Woche alles zu vergessen und gemeinsam Musik zu machen, das ist als würde man in eine andere Welt eintauchen“ erzählt Gastgeber Thomas.
Wir erwischen uns dabei, wie wir an den Stellen, an denen es richtig gut läuft, etwas debil grinsend im Takt mitwippen und vergessen, dass wir eigentlich da sind, um Fotos zu schießen. Alles vergessen und nur die Musik fühlen. Wir verstehen.

Glück steckt an, das war schon immer so.

Wir gehen häufig auf Konzerte und hören viel Livemusik, aber das hier hat eine andere Qualität. Vielleicht, weil es so unvermittelt passiert: Im einen Moment sitzen wir einfach mit acht Menschen im Esszimmer – und eine Sekunde später werden wir von Erinnerungen an die 90er, vom Beat und den Harmonien überwältigt. Es braucht nur jemanden, der einen Takt vorgibt und diese acht Menschen füllen den Raum mit Musik und Herz und Leidenschaft und veranstalten ein Mini-Konzert. Und sind dabei so glücklich und sehen so schön aus, dass man einfach keine andere Wahl hat, als sie gut zu finden. Glück steckt an, das war schon immer so.
Wir hören noch einige Songs mit Bums, einige mit Herzschmerz und vergessen unsere Folgetermine an dem Abend. Beim Konzert geht man ja schließlich auch nicht vor der Zugabe. Nach der Probe unterhalten wir uns noch mit Alex, die uns erzählt, dass sie eine einzige Genusszigarette in der Woche raucht – immer zur Chorprobe. Und mit Elena, Mutter von Zwillingen, die immer montags durch das Singen Energie für die Woche tankt.
Wo wir von einer „Hingehpflicht“ ausgegangen sind, sprechen die Sänger des DCON von Balsam für die Seele – und wer lässt sich schon Balsam für die Seele entgehen. Nach zwei Stunden, die sich wie 10 Minuten anfühlen, gehen alle beseelt nach Hause. Wir haben Lust auf mehr. Und zwei bis fünf Ohrwürmer, die wir einfach nicht mehr loswerden.
Liebe Jungs und Mädels vom DCON – wir freuen uns darauf, Euch beim COSOA 2016 wiederzusehen! Danke für den schönen Abend!

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