Is’ dit hier ‘n Hollywood-Drehbuch?

Klar, jeder Chor hat seine eigene Geschichte. Der Madiba Chor allerdings hat nach zarten zwei Jahren schon eine Story zu erzählen, die wir am liebsten direkt in ein Drehbuch verpacken und nach Hollywood schicken möchten. Aber fangen wir von vorne an.

Die Sängerinnen und Sänger von Madiba proben in der Nelson Mandela School in Wilmersdorf. Als wir dort ankommen, fällt uns als erstes folgendes Schild ins Auge:
Tut momentan erschreckend gut, so ein klares Statement zu lesen.
In der großzügigen Aula der Schule angekommen wird schnell deutlich: Das ist hier etwas anders als bei den anderen Proben. Uli, der Chorleiter, hält die Sänger mit liebevoller Bestimmtheit bei Laune. Man kann nicht genau benennen, was es ist, aber er strahlt eine Mischung aus Disziplin und Leidenschaft aus, die jedem im Raum spätestens dann auffällt, wenn er anfängt zu sprechen. Wo und wie er diese Ausstrahlung entwickelt hat, erfahren wir später bei einem Glas Wein – besser so, denn ansonsten hätten wir uns schon während der Probe in die Story verguckt und womöglich vergessen, unseren Job zu machen.
Jedenfalls werden wir von Beginn an „gewarnt“. Von besagtem Chorleiter. Das sei hier kein professioneller Chor, wir sollten entsprechend nicht so hohe Erwartungen haben oder diese, falls vorhanden, runterschrauben.
Kurz darauf singen sich die Mitglieder ein – und was sollen wir sagen. Alleine das ist schon eine Eins plus mit Sternchen Wert. Von wegen nicht so professionell. Alles glasklar, glockenrein – Gänsehaut. Kein Wunder: Hier ist eine Stimmbildnerin mit von der Partie, die mit den Sänger*innen übt, den richtigen Flow in englische und französische Texte zu bringen. Später finden einzelne Übungen in verschiedenen Räumen statt, um die unterschiedlichen Stimmlagen gezielt zu trainieren. Irgendwie geht alles sehr diszipliniert zu – aber nicht zu streng. Vielmehr ambitioniert. Einzelne Passagen werden so lange geprobt, „Bis es so klingt, wie eine aufgehende Magnolie“. Oder „Legato, in einem Zug. Wie in einem Disneyfilm – ihr kennt das – wenn ein See gezeigt wird, auf dem alles glitzert und ruhig fließt.“ Oder „Wie der erste Ton, den Ihr bei einem richtig schönen Rendezvous über die Lippen bringt.“ Uli findet für jede Stelle ein passendes Bild.
Wir als Laien denken immer wieder „Man! Wieso unterbricht der Mann jedes Mal kurz vorm Gänsehautmoment! Gönn uns doch den einen!“ Aber die Stellen werden eben so lange geübt und wiederholt, bis sie wie das dazugehörige Bild klingen.
Nicht nur einer, sondern gleich multiple Gänsehautmomente sind uns am Ende vergönnt, als die ganze Gruppe von etwa 30 Personen wieder zusammenkommt, um in den letzten 20 Minuten der Probe gemeinsam zu singen.
Nach der Probe (wir haben mal wieder unsere privaten Folgetermine kurzfristig verschoben) gehen wir mit den Sänger*innen noch mit auf einen Wein im Stammrestaurant um die Ecke. Kluge Entscheidung, denn im Gespräch kommt die filmreife Geschichte des Madiba Chors auf den Tisch: Uli, der im wahren Leben Ulrich Paetzholdt heißt, hat bis vor einigen Jahren unter anderem die Chöre der Semperoper und der Deutschen Oper geleitet. Also DIE Deutsche Oper und DIE Semperoper. Vor einigen Jahren hat er sich von den großen Bühnen verabschiedet und leitet nun unter anderem seit zwei Jahren den Madiba Chor. Zur großen Begeisterung aller Beteiligten, denn was dieser Chor auf die Bühne bringt, fetzt. Das freut nicht nur die Sänger*innen, sondern auch den Chorleiter – und das spürt man einfach tatsächlich bei jeder einzelnen Note – so kitschig das auch klingen mag. Wäre die Story nicht schon 2005 in „Wie im Himmel“ verfilmt worden, hätten wir uns jetzt an ein Drehbuch gesetzt.
Liebe Sänger*innen des Madiba-Chors, wir bedanken uns für den schönen Abend und freuen uns schon jetzt auf euren Auftritt im Juli beim COSOA – Chor Open Stage Open Air Festival 2016!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.