„Wir sind einfach ein ziemlich gut funktionierender sozialer Haufen“

Nachdem wir mittlerweile schon einige Chöre besucht haben, wissen wir: Jede Gruppe funktioniert anders. Bei den JazzVocals, um die es heute geht, hatten wir ein bisschen das Gefühl, in die Schulzeit zurückversetzt worden zu sein. Ach, good old times.

Dass wir uns ein bisschen wie damals im Musikunterricht gefühlt haben, liegt nicht ganz fern: Gegründet wurden die JazzVocals als Schulchor. Susanne, die Chorleiterin, hat einem Großteil der Truppe damals schon das Notenlesen beigebracht. Chor-Romantik vom Feinsten also. Ab Herbst geht Susanne in den JazzVocals-Chor-Ruhestand und lässt die Rasselbande ihren Weg alleine gehen. Hat sie sich auch irgendwie verdient, nach knapp 25 Jahren voller Power.
In der Pause verrät sie uns, dass es ihr doch schon schwer fallen wird los zulassen, schließlich seien die JazzVocals ein bisschen wie ihre Kinder. Wir schreiben gerührt mit einem Lolli im Mund mit – die wurden zu Beginn der Pause an die gesamte Truppe verteilt. Überhaupt hat die Pause ihren Charme, denn man merkt: Du kannst die Kinder aus der Klasse rausholen – aber die Klasse nicht aus den Kindern.

Pause mit Drohne. Jeder darf mal fliegen lassen.
Eine Gruppe Mädchen unterhält sich mit der Lehrerin, pardon: Chorleiterin, und die Jungs sammeln sich um das mitgebrachte Technikspielzeug. Alles wirkt sehr freundschaftlich und vertraut und selbstverständlich – das ist so ein Gefühl, das besonders wir Kinder aus den Käffern vermissen, die wir uns nach dem Abi über die ganze Welt verteilt haben. Nichts mit wöchentlichen Treffen und gemeinsamem Singen und hören, was die anderen gerade so erleben und vorhaben.

Glücklich.
Moment, haben wir noch gar nicht über die Musik geschrieben? Na gut, dann aber jetzt. Da gibt es nämlich einiges zu erzählen, denn die JazzVocals fahren reihenweise Preise ein – zuletzt den ersten Platz und den Grand Prix beim Rainbow-Festival in Sankt Petersburg.
Während der Probe wechseln sich Susanne, Martin (vorsitzender Sonnenschein und Chorleiter von DCON) und Elena mit der Chorleitung ab. Elena ist im wahren Leben Staatsanwältin und fast dreifache Mutter. Ihr Mann singt auch mit – oder sorgt vielmehr für den Beat und die tiefen Töne. Wie die beiden Job, Kinder und Chor unter denselben Hut bringen, verstehen wir auch nicht so richtig. Die Antwort können wir uns aber denken, denn bei allen Sängern, mit denen wir bisher gesprochen haben, fiel sie immer ähnlich aus: Der Chor war doch schon immer da. Der muss einfach untergebracht werden.
Und so singen die JazzVocals drei sehr unterschiedliche Songs und geben sich, wie Susanne es so wunderbar anschaulich beschreibt, als „ein ziemlich gut funktionierender sozialer Haufen.“ Ab und an wird herumgealbert – darauf gibt’s aber auch schnell ein „Tschsch!!“ und ‘nen Ellenbogen in die Rippen vom Nachbarn. Und wenn alles funktioniert, grinsen alle und freuen sich zusammen. Und es funktioniert ziemlich oft ziemlich gut. Die Jungs und Mädels wurden uns nicht ohne Grund als einer der besten Chöre, die wir in Deutschland erleben können, angekündigt.
Liebe JazzVocals, es war so schön bei Euch. Wir freuen uns schon auf Euren Klassenausflug zum COSOA Festival 2016!

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